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Fachkräftemangel im Handwerk: Wie Betriebe trotzdem Bewerbungen bekommen

Noxy · Oktober 2026

Fast jeder Handwerksbetrieb, mit dem wir sprechen, sucht Leute. Gesellen, Meister, Azubis, manchmal auch jemanden fürs Büro. Die Anzeige läuft seit Monaten, und es melden sich zwei Bewerber, von denen einer nicht zum Gespräch kommt. Am Fachkräftemangel selbst können Sie wenig ändern. Daran, ob die wenigen guten Leute bei Ihnen landen oder beim Betrieb zwei Orte weiter, schon.

Die guten Leute haben schon einen Job

Ein Anlagenmechaniker mit fünf Jahren Erfahrung schaut nicht jeden Abend auf Jobportale. Er hat eine Stelle, ist halbwegs zufrieden und würde wechseln, wenn ihm etwas Besseres über den Weg läuft. Wer nur Anzeigen in Jobbörsen schaltet, erreicht vor allem die, die gerade aktiv suchen. Das sind wenige.

Deshalb lohnt es sich, dorthin zu gehen, wo die Leute ohnehin sind. Instagram und Facebook nutzen Handwerker genauso wie alle anderen. Eine Anzeige, die nur im Umkreis von 20 oder 30 Kilometern um Ihren Betrieb läuft, erreicht genau die, die morgens realistisch zu Ihnen fahren würden. Wie das im Detail funktioniert, steht in unserem Artikel über Social Recruiting.

Sagen Sie, was Sie zahlen

Die Frage nach dem Geld stellt jeder Bewerber. Viele Betriebe schreiben trotzdem „leistungsgerechte Vergütung“ in die Anzeige. Das liest sich so, als gäbe es etwas zu verstecken. Ein Stundenlohn oder eine Spanne in der Anzeige spart beiden Seiten Zeit und zeigt, dass Sie offen sind. Wer gut zahlt, sollte es erst recht hinschreiben.

Schreiben Sie, was den Alltag besser macht

Bewerber im Handwerk wollen wissen, wie ein normaler Tag aussieht. Wann ist Feierabend, auch freitags? Gibt es ein Firmenfahrzeug, das man mit nach Hause nehmen darf? Wie weit sind die Baustellen entfernt? Wird das Werkzeug gestellt? Wer bezahlt die Weiterbildung zum Meister?

Solche Sätze sind viel stärker als „ein tolles Team“. Ein gutes Beispiel ist eine Stellenanzeige, die wir 2021 für das Therapiezentrum Feldmann in Heiligenhaus gemacht haben. Das ist zwar kein Handwerk, das Prinzip ist aber dasselbe. Darin stand, dass das Zentrum Fortbildungen unterstützt und für Hausbesuche E-Autos stellt. Für Physiotherapeuten waren das genau die Infos, auf die es ankam.

Machen Sie die Bewerbung leicht

Ein Geselle, der abends auf dem Sofa eine Anzeige sieht, schreibt kein Anschreiben und sucht keinen Lebenslauf heraus. Er will kurz Kontakt aufnehmen. Bieten Sie ihm das an:

Und antworten Sie schnell, am besten am selben oder am nächsten Tag. Wer eine Woche wartet, hat den Bewerber oft schon an einen anderen Betrieb verloren.

Ihre Mitarbeiter sind die besten Recruiter

Viele gute Leute kommen über Empfehlungen. Sagen Sie Ihrem Team offen, dass Sie suchen und wen. Eine Prämie für eine erfolgreiche Empfehlung, etwa nach der Probezeit, ist in vielen Betrieben üblich und meist günstiger als jede Anzeige.

Ihre Leute sind auch die besten Bilder. Ein Handyfoto von der Truppe auf der Baustelle sagt mehr über Ihren Betrieb als jedes Stockfoto. Fragen Sie vorher, wer mitmachen will. Die meisten machen gern mit, wenn sie nicht ungefragt im Internet landen.

Azubis früher abholen

Wer Azubis sucht, muss früher anfangen als viele denken. Schüler entscheiden sich oft schon im vorletzten Schuljahr, und die meisten über ein Praktikum. Kontakte zur nächsten Gesamt- oder Realschule, Plätze für Schülerpraktika und eine Präsenz beim Berufsorientierungstag bringen oft mehr als jede Anzeige. Social Media hilft dabei, die Eltern zu erreichen, denn die reden bei der Wahl kräftig mit.

Beim Therapiezentrum Feldmann haben wir 2024 eine eigene Kampagne nur für Auszubildende aufgesetzt, neben den Anzeigen für Fachkräfte, die dort seit 2022 laufen. Azubis sprechen anders, schauen andere Kanäle und brauchen andere Bilder als ein erfahrener Geselle.

Womit Sie diese Woche anfangen

  1. Schreiben Sie in Ihre aktuelle Stellenanzeige einen Lohn oder eine Spanne.
  2. Ergänzen Sie drei konkrete Sätze dazu, was den Alltag bei Ihnen besser macht.
  3. Prüfen Sie, ob man sich per Telefon oder WhatsApp bewerben kann, ohne Anschreiben.
  4. Fragen Sie in der nächsten Frühstückspause, wer jemanden kennt.
Sollen wir uns das bei Ihnen anschauen?
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