Wie Geschäftsführer LinkedIn nutzen, ohne jeden Tag zu posten
Die meisten Geschäftsführer kleiner Betriebe haben ein LinkedIn-Profil. Angelegt vor ein paar Jahren, mit einem Foto vom Firmenjubiläum und der Berufsbezeichnung „Geschäftsführer“. Seitdem ist dort nicht viel passiert. Das ist schade, denn genau auf diesem Profil landen Bewerber, Kunden und Banker, wenn sie Ihren Namen googeln.
Die gute Nachricht ist, dass Sie dafür kein Influencer werden müssen. Wer jeden Tag postet, hat meist ein Team dahinter oder keinen Betrieb zu führen. Für Sie reichen ein gutes Profil, eine Stunde im Monat und ein bisschen Mut.
Erst das Profil, dann die Posts
Bevor Sie einen einzigen Beitrag schreiben, sollte das Profil stimmen. Es arbeitet für Sie, auch wenn Sie wochenlang nichts tun.
- Ein aktuelles Foto, auf dem man Ihr Gesicht erkennt. Kein Gruppenfoto, keine Sonnenbrille. Ein Handyfoto vor einer hellen Wand reicht völlig.
- Ein Titel, der sagt, was Sie machen. „Geschäftsführer bei Müller GmbH“ sagt wenig. „Wir bauen Treppen aus Holz und Stahl in Velbert und Umgebung, 18 Leute, seit 1987“ sagt alles, was ein Fremder wissen will.
- Ein Hintergrundbild aus dem Betrieb. Die Werkstatt, das Team, ein fertiges Projekt. Das graue Standardbild verschenkt die größte Fläche auf dem Profil.
- Ein Infotext in Ihren eigenen Worten. Drei, vier Absätze. Was macht der Betrieb, für wen, was ist Ihnen wichtig, wie erreicht man Sie. Schreiben Sie so, wie Sie es einem Gast beim Grillen erzählen würden.
- Die Firmenseite verknüpfen. Wenn Ihr Betrieb eine LinkedIn-Seite hat, wählen Sie sie bei der Berufserfahrung aus, damit das Logo erscheint. Hat er keine, legen Sie eine an. Das dauert zehn Minuten.
Worüber ein Geschäftsführer schreiben kann
Die häufigste Antwort, die wir hören, ist „Bei uns passiert doch nichts Spannendes“. Das stimmt fast nie. Was für Sie Alltag ist, ist für andere neu. Ein paar Themen, die in jedem Betrieb vorkommen:
- Ein neuer Azubi fängt an. Wer ist das, warum hat er sich für Sie entschieden?
- Ein Projekt ist fertig. Ein Foto vorher und nachher, zwei Sätze, was schwierig war.
- Eine Entscheidung, die Sie getroffen haben, und warum. Etwa, dass Sie ab jetzt die Vier-Tage-Woche testen oder dass Sie ein neues Gerät gekauft haben.
- Ein Mitarbeiter feiert sein 25-jähriges Jubiläum.
- Ein Fehler, aus dem Sie etwas gelernt haben. Solche Beiträge lesen Menschen am liebsten, weil sie ehrlich sind.
- Eine offene Stelle, mit einem Foto vom Team und dem Hinweis, dass man Sie direkt anschreiben kann.
Ein Post im Monat ist ein guter Anfang. Zwei sind schon richtig gut. Wichtiger als die Menge ist, dass es nicht wieder einschläft.
Wie ein Beitrag aussieht, der gelesen wird
Die erste Zeile entscheidet. LinkedIn zeigt nur die ersten zwei, drei Zeilen, dann kommt „mehr anzeigen“. Fangen Sie mit dem Konkreten an. „Heute hat Leon bei uns angefangen“ zieht mehr als „Wir freuen uns sehr, bekannt geben zu dürfen …“.
Schreiben Sie in der Ich-Form und so, wie Sie reden. Kurze Absätze, keine Hashtag-Wolke am Ende. Zwei oder drei passende Hashtags reichen, etwa der Ort und die Branche.
Ein echtes Foto schlägt jede Grafik. Am besten mit Menschen darauf, die Sie in der Bildunterschrift oder im Text mit Namen nennen und verlinken, sofern sie einverstanden sind. Dann sehen auch deren Kontakte den Beitrag.
Die richtigen 300 Kontakte
Für einen Betrieb aus der Region zählen keine 10.000 Follower. Es zählen die richtigen 300 Kontakte. Vernetzen Sie sich mit Kunden, Lieferanten, dem Bürgermeister, der Wirtschaftsförderung, der Lokalzeitung, anderen Unternehmern aus dem Ort und ehemaligen Mitarbeitern. Schreiben Sie bei der Anfrage einen Satz dazu, woher man sich kennt.
Und kommentieren Sie. Wenn ein Lieferant ein neues Werk eröffnet oder ein Kunde ein Jubiläum feiert, ist ein ehrlicher Kommentar oft mehr wert als ein eigener Post. Zehn Minuten in der Woche reichen.
LinkedIn hilft beim Recruiting mehr, als viele denken
Bewerber schauen sich vor dem Gespräch an, wer der Chef ist. Ein gepflegtes Profil mit ein paar Beiträgen aus dem Betrieb nimmt die Hürde, sich zu melden. Und Stellen lassen sich über LinkedIn auch gezielt verbreiten. Für das Therapiezentrum Feldmann in Heiligenhaus haben wir 2021 eine Stellenanzeige für Physiotherapeuten über LinkedIn ausgespielt. Darin stand, was Physios wirklich interessiert, zum Beispiel, dass das Zentrum Fortbildungen unterstützt und für Hausbesuche E-Autos stellt.
Wenn Sie selbst eine offene Stelle teilen, schreiben Sie zwei persönliche Sätze dazu. Warum suchen Sie, und was erwartet die neue Person? Das wird deutlich öfter geteilt als ein nackter Link zur Jobbörse.
Was Sie lassen können
- Fremde Beiträge ohne eigenen Satz teilen. Das sieht kaum jemand.
- Bei Kontaktanfragen sofort etwas verkaufen. Das merkt sich jeder, leider.
- Motivationssprüche über Fotos von Bergen. Ihre Kunden wollen Ihren Betrieb sehen.
- Lange Texte, die von einer KI geschrieben klingen. Die erkennt man inzwischen schnell, und sie wirken wie das Gegenteil von persönlich.
Ihr Plan für die nächsten 30 Tage
- Diese Woche das Foto und den Titel erneuern, gern auch gleich das Hintergrundbild.
- Nächste Woche den Infotext schreiben und 20 Leute aus der Region einladen, die Sie wirklich kennen.
- In Woche drei den ersten Beitrag posten, am besten über einen Menschen aus Ihrem Team.
- In Woche vier fünf Beiträge von anderen ehrlich kommentieren.
Danach entscheiden Sie, ob ein Post im Monat für Sie passt oder zwei. Beides ist besser als das Profil, das seit dem Firmenjubiläum unverändert ist.